Substitutionsmedizin

In der Substitutionsmedizin werden Opioidabhängige mit einem Drogenersatzstoff (Substitut) behandelt.

Ergänzend zur medikamentösen Therapie kommen auch psychotherapeutische Therapien zur Anwendung.

Zahlen & Fakten

Opioide: Definition – Herstellung – Wirkung – Substanzen

Unter Opioiden werden jene Substanzen zusammengefasst, die ihre Wirkungen über die so genannten Opioidrezeptoren im Körper entfalten.

Dabei unterscheidet man zwischen

  • endogene Opioide: Dies sind körpereigene Opioide, sprich sie werden vom Körper selbst produziert. Dazu gehören u.a. die so genannten „Glücksbotenstoffe“, die Endorphine, sowie die sogenannten Enkephaline. Letztere sind Botenstoffe, die z.B. bei der Verarbeitung von Stress eine Rolle spielen.
  • exogene Opioide: Hier handelt es sich um von außen zugeführte Opioide (aufgrund therapeutischer Notwendigkeit oder missbräuchlich im Rahmen einer Sucht).

Wie wirken Opioide?
Sie unterdrücken den Schmerz, daher kommen sie medizinisch vor allem in der Schmerztherapie zum Einsatz. Zudem weisen sie eine beruhigende und dämpfende Wirkung auf. Dazu kommen psychotropeAls psychotrop oder auch psychoaktiv werden Substanzen bezeichnet, die Veränderungen der Psyche und des Bewusstseins eines Menschen herbeiführen. Eine solche Beeinflussung kann als eine Art Anregung, Entspannung oder angenehme Stimmungsveränderung erlebt werden. Der Bewusstseinszustand kann aber auch so intensiv beeinträchtigt werden, dass es zu Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und schlimmstenfalls zum Koma kommen kann. Eigenschaften.

Wie werden exogene Opioide hergestellt?
Entweder aus dem Milchsaft (Rohopium) des Schlafmohns oder synthetisch.

Welche exogenen Opioide gibt es?
Unter anderem Methadon, Fentanyl, Hydromorphon, Diacetylmorphin (Heroin, das am stärksten abhängig machende Opioid), Buprenorphin und Morphin.

Opioidabhängigkeit

Opioidabhängigkeit ist eine komplexe Erkrankung, die in den allermeisten Fällen eine Langzeitbehandlung erfordert

Was sind die Anzeichen einer Opioidabhängigkeit?

  • starker Wunsch bzw. eine Art Zwang, die Substanz zu konsumieren („Suchtdruck“)
  • Erhöhung der Dosis
  • Kontrollverlust bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
  • körperliche Entzugserscheinungen bei Absetzen oder Reduktion des Suchtmittels
  • Vernachlässigung der Arbeit sowie anderer Interessen und Vergnügen
  • erhöhter Zeitaufwand zugunsten des Suchtmittels
  • Substanzkonsum trotz schädigender Wirkungen (im gesundheitlichen sowie im sozialen Bereich)

Wichtiger Hinweis: Wenn eines oder mehrere dieser Kriterien auf Sie oder ein Familienmitglied, einen Freund etc. zutreffen, sollten Sie mit einem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle Kontakt aufnehmen! Diese können Hilfestellung bei einem Weg aus der Abhängigkeit aufzeigen. Eine Möglichkeit stellt die Substitutionstherapie dar.

Österreichischer Drogenbericht 20161

Laut Österreichischem Drogenbericht 2016 konsumieren zwischen 29.000 und 33.000 Personen Drogen unter Beteiligung von Opioiden. Damit stellt Opioidkonsum – meist in Kombination mit anderen Substanzen – den weitaus größten Teil des risikoreichen Drogenkonsums in Österreich dar.

Weniger Einsteiger in den risikoreichen Opioidkonsum
Alle verfügbaren Daten aus dem Drogenmonitoring legen einen starken Rückgang des risikoreichen Opioidkonsums bei der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre nahe. Es gibt also weniger Einsteiger.

Unklar ist, ob dies einen Rückgang des illegalen Suchtmittelkonsums insgesamt oder eine Verlagerung auf andere Substanzen bedeutet. Es gibt jedoch keine Anzeichen für einen zunehmenden Konsum von Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS)Neue Psychoaktive  Substanzen sind unter anderem auch als Research Chemicals, Legal Highs oder Designerdrogen bekannt. Es handelt sich um Chemikalien, die im Labor hergestellt werden. Über mögliche Wirkungen, Wechselwirkungen und Gesundheitsrisiken bei ihrem Konsum ist wenig bis gar nichts bekannt.. Es liegen lediglich Hinweise auf einzelne lokale Methamphetaminszenen (Drogenszenen, in denen vermehrt Crystal Meth konsumiert wird) vor.

Rund 60% der opioidabhängigen Menschen sind in Behandlung
Im Jahr 2015 befanden sich in Österreich ca. 23.250 Personen in drogenspezifischer Behandlung. Davon waren rund 19.700 Personen opioidabhängig. Damit sind über 60% der Personen mit problematischem Opioidkonsum in Behandlung.

Die Anzahl der opioidabhängigen Patienten in Substitutionsbehandlung ist 2015 gering angestiegen, von 17.272 Personen im Jahr 2014 auf 17.599 im Jahr 2015.

Weiterentwicklung der Suchtbehandlung
Das Hauptaugenmerk in der Weiterentwicklung der Suchtbehandlung liegt auf integrierten Konzepten und regionaler Vernetzung sowie der Erstellung von Leitfäden, Merkblättern und anderen Instrumenten zur Verbesserung von Inanspruchnahme oder Abläufen in der Suchtbehandlung. Bei integrierten Konzepten werden z.B. psychiatrische Behandlungen mit Substitutionstherapie und Psychotherapie gemeinsam eingesetzt. Auch ambulante und stationäre Behandlungen können dabei kombiniert werden. So sollen beispielsweise integrierte Suchtberatungsstellen zukünftig niederschwellige Beratung und nachgehende Betreuung für Menschen mit Suchterkrankungen anbieten, aber auch Krisenintervention und aufsuchende Notfallhilfe bei schweren akuten Suchtproblemen leisten.

Anstieg der drogenbezogenen Todesfälle
In Jahren 2011 bis 2014 waren die drogenbezogenen Todesfälle in Österreich rückläufig. Seit 2015 steigen diese allerdings leider wieder an: von 122 Todesfällen im Jahr 2014 auf 153 Todesfälle im Jahr 2015. Das durchschnittliche Alter der Todesopfer durch Drogenkonsum lag 2015 bei 33 Jahren.

Hepatitis C stellt großes Problem dar
Die Verbreitung von Hepatitis C bei Personen mit intravenösem Drogenkonsum liegt laut aktuellem Drogenbericht auf einem sehr hohen Wert (bis zu 79%). Damit stellt Hepatitis C bei intravenös Konsumierenden ein gravierendes Problem dar.

Die Zahlen zu HIV liegen weiterhin auf einem niedrigen Niveau (zwischen 0 und 9%).

Drogenproblematik 2015

Bei den ca. 23.000 Personen in drogenspezifischer Betreuung 2015 liegt folgende Verteilung bezüglich der konsumierten Drogen vor2:

85%    PolytoxikomanerKonsum, bei dem verschiedenste Drogenarten gemeinsam eingenommen werden, um die Wirkung der einzelnen Substanzen noch zu verstärken oder durch die Wechselwirkungen der verschiedenen Drogen den Rauscheffekt noch zusätzlich zu verstärken. Konsum mit Beteiligung von Opioiden
10%     alleinige Leitdroge Cannabis
2%       Kokain
2%       Stimulantien (z.B. Methamphetamin, Mephedron, Pilze etc.)
1%       andere Konsummuster

Anzahl der in Substitutionsbehandlung befindlicher Personen3

2015 befanden sich ca. 17.500 Personen in Substitutionsbehandlung.

Versorgungspraxis Substitutionsbehandlung: Anzahl qualifizierter und versorgungswirksamer Ärzte und Personen in Substitutionsbehandlung (pro Arzt), nach Bundesland, Stichtag 31. 12. 20154

Bundesland Personen in
Substitutionsbehandlung
Ärzte -LISA* Versorgungswirksame
Ärzte
Burgenland 255 17 57
Kärnten 874 23 21
Niederösterreich 2.513 74 229
Oberösterreich 1.948 72 74
Salzburg 501 9 32
Steiermark 1.397 44 57
Tirol 1.194 42 37
Vorarlberg 658 12 13
Wien 8.259 365 295
Österreich 17.599 641** 563***

* LISA = Liste der zur Substitutionsbehandlung qualifizierten Ärzte

** Die Gesamtzahl der Ärzte entspricht nicht der Summe der Ärzte der Bundesländer, weil in LISA insgesamt 17 Ärzte in zwei Bundesländern Praxisadressen haben.

*** Die Gesamtzahl der Ärzte entspricht nicht der Summe der Ärzte der Bundesländer, weil einige Ärzte Klientel aus mehreren Bundesländern betreuen.

Substitutionsbehandlung nach verschriebenem Substitutionsmittel

Österreichweit stellt Morphin in Retardform (55%) das am häufigsten verschriebene Substitutionsmittel dar, gefolgt von Buprenorphin (20%), Levomethadon (13%) und Methadon (12%).5

 

1 http://www.goeg.at/de/GOEG-Aktuelles/Drogenbericht-2016.html, abgerufen am 15.3.2017
Epidemiologiebericht Sucht 2016
Bericht zur Drogensituation 2015
eSuchtmittel und LISA. Berechnung und Darstellung: GÖG/ÖBIG
eSuchtmittel; Berechnung und Darstellung: GÖG/ÖBIG

top

Ziele der Suchttherapie

Sucht ist eine psychische Störung mit Krankheitswert. Kennzeichen einer Abhängigkeit sind entweder ein zwanghaftes Verhalten in Bezug auf bestimmte Substanzen (stoffgebundenAbhängigkeit von Substanzen (Alkohol, Nikotin, Haschisch, Opioide etc.).) oder auf Verhaltensweisen (stoffungebundenUnkontrollierbares Verlangen nach exzessivem Verhalten. Hierzu gehören u.a. Spielsucht, Arbeitssucht, Internetsucht, Sexsucht, Kaufsucht und auch Essstörungen.).

Für mehr Informationen siehe Was ist Abhängigkeit

Wann kommt die Substitutionsmedizin zum Einsatz?

Die Substitutionsbehandlung ist die Standardtherapie bei Opioidabhängigkeiten.

Was ist eine Opioidabhängigkeit?
Opioidabhängigkeit ist eine schwere, chronische, psychiatrische Erkrankung. Nach der internationalen statistischen Klassifikation (ICD) der Krankheiten wird sie als „Psychische und Verhaltungsstörungen durch Opioide“ klassifiziert.

Mehr Zahlen, Daten, Fakten zum Thema Opioide, Opioidabhängigkeit & Substitutionstherapie.

Wie erfolgt die Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit?

Als substanzabhängige Sucht kann Opioidabhängigkeit sehr gut medikamentös behandelt werden.

Bei der medikamentös unterstützten Substitutionstherapie wird ein Arzneimittel eingenommen, dessen WirkungWirkmechanismus Opioide: Opioide wirken direkt im zentralen Nervensystem durch die Bindung an die sogenannten Opiodrezeptoren. Dies führt zu folgender Wirkung: Schmerzlinderung, Beseitigung von Angst-, Spannungszuständen sowie „Unlust-Gefühlen.“ der des Heroins bzw. der von anderen Opiaten ähnlich ist. Im deutschsprachigen Raum/in Europa stehen als orale Wirkstoffe Buprenorphin, Methadon, Levomethadon und retardiertes Morphin (mit verzögerter Wirkstoff-Freisetzung)  zur Verfügung. So wird das Verlangen nach Opioiden verringert. Dies befreit die Abhängigen vom „Beschaffungsstress“. Sie können ihr Leben neu strukturieren. Dies wird erst durch die Substitutionstherapie ermöglicht!

Opioid-Substitutionstherapie ist eine lebensrettende Intervention!

Wie bei jeder chronischen Erkrankung ist auch bei der Sucht eine (rasche) Heilung nicht möglich.1 Die Therapie einer Opioidabhängigkeit erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und – wie bei anderen chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes, Rheuma oder Bluthochdruck), die durch mögliche regelmäßige Rückfälle charakterisiert sind, auch – als Langzeit- bzw. Dauertherapie.

Wirksamkeit der Substitutionstherapie ist weltweit anerkannt!3

  • In Kombination mit psychosozialen Interventionen ist die Substitutionstherapie die häufigste Behandlung für Opioidabhängigkeit und stellt eine wissenschaftlich untermauerte Antwort auf das Heroinproblem in Europa dar.2
  • Internationale medizinische Leitlinien.3,4 empfehlen daher die Opioid-Substitutionstherapie als die medikamentöse Haupttherapie zur Behandlung von Opioidabhängigkeit.

Fazit: Die Substitutionsbehandlung ist die Therapiemethode erster Wahl bei Opioidabhängigkeit.5

Was sind die Ziele der Behandlung?

Eine Behandlung soll für Abhängige die Grundvoraussetzung schaffen, die es ihnen erlaubt

  • sich von der Drogenszene zu distanzieren,
  • das Risiko für Folgeerkrankungen (z.B. Hepatitis B und C, HIV-Infektion etc.) zu verringern,
  • bereits bestehende Begleiterkrankungen therapieren zu lassen und
  • soziale Probleme anzugehen.

Fazit: Die Ziele der Behandlung und Rehabilitation von Personen mit Opioidabhängigkeit sind somit Reduktion der

  • Abhängigkeit von illegalen Drogen5
  • Krankheitshäufigkeit der Betroffenen (Morbidität): Zahlreiche Erkrankungen werden durch illegale Drogen verursacht oder stehen mit deren Konsum in Verbindung (z.B. Prävention von Infektionen wie HIV oder Hepatitis).

-> Die Behandlung führt zu einer Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit und einer Verringerung von kriminellen Verhalten. So wird die Reintegration (Wiedereingliederung) in Arbeit und Ausbildungssystem ermöglicht und die sozialen Fähigkeiten werden gestärkt3

  • Sterblichkeit (Mortalität, z.B. aufgrund einer Überdosierung, aufgrund von Begleiterkrankungen etc.)3

Zusammengefasst: Süchtigen soll durch die Substitutionstherapie ermöglicht werden, sich wie Nichtsüchtige mit anderen Dingen zu befassen, sozusagen wieder am „normalen Leben“ teilzunehmen. Dann wird unter Umständen die Therapie von psychiatrischen Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) überhaupt erst möglich. Letztendlich soll auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.6

Warum ist eine Langzeitbehandlung notwendig?

Bei Menschen mit Substanzproblemen wird durch autoritäre Verordnung von Konsumänderungen oder -verzicht oft keine nachhaltige Veränderung erreicht,7 denn Betroffene bleiben, was sie sind, nämlich süchtig.8

Vor diesem Hintergrund ist klar, dass eine Suchttherapie eine Langzeittherapie darstellt, und die Suchtkranken auf lange Sicht therapeutisch begleitet werden müssen.

Was sind die Bestandteile des Therapiekonzeptes?

Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes und der möglichen Begleiterkrankungen ist ein umfassendes Therapiekonzept mit individuellen Therapiemöglichkeiten unumgänglich.

Da nach einer Entzugsbehandlung (Detoxifizierung) die Rückfallquote aufgrund des chronischen Charakters der Erkrankung sehr hoch ist, wird sie nicht als alleinige adäquate Behandlungsform der Opioidabhängigkeit angesehen.3

Ein Rückfall kann bei Entzug aufgrund des Toleranzverlustes eine Überdosis mit tödlichem Ausgang bedeuten. Daher wird Abstinenz nicht zwingend für jeden Abhängigen als das alleinige Behandlungsziel betrachtet, sondern das Behandlungsziel wird in Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten definiert und orientiert sich am aktuellen Zustand des Betroffenen.

 

Madlung-Kratzer E. Was ist, was kann die Opioidsubstitutionsbehandlung? JATROS Neurologie & Psychiatrie 1/2016: 44-46.
European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction. Strategies to prevent diversion of opioid substitution treatment medications. http://www.emcdda.europa.eu/topics/pods/preventing-diversion-of-opioid-substitution-treatment#panel4 (Zugriff am 12.10.2016)
World Health Organization (2009), Guidelines for the psychosocially assisted pharmacological treatment of opioid dependence, World Health Organization, Geneva.
Department of Health England and the devolved administrations (2007), Drug Misuse and Dependence: UK Guidelines on Clinical Management. http://www.nta.nhs.uk/uploads/clinical_guidelines_2007.pdf (Zugriff am 12.10.2016)
WHO. Management of substance abuse. Treatment of opioid dependence. http://www.who.int/substance_abuse/activities/treatment_opioid_dependence/en/ (Zugriff am 12.10.2016).
WHO. Guidelines for the Psychosocially Assisted Pharmacological Treatment of Opioid Dependence. 2009.
Kurz M. Sucht – Diagnose und Therapie. Psychopraxis, 2011, 5-6: 21-24.
8 Haltmayer H. et al. Konsensus-Statement “Substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger.” 
Suchtmedizin Forsch. Prax., 2009, 11: 281–297.

top

Substanzen

Bei Medikamenten, die in der Substitutionstherapie zum Einsatz kommen, sind folgende Eigenschaften von Bedeutung:

  • Es sollte nur eine einmal tägliche Einnahme erforderlich sein.
  • Das Medikament sollte keinen „Kick“ auslösen, sondern seine Wirkung sollte sich langsam entfalten.
  • Das Medikament sollte oral (=zum Schlucken) eingenommen werden können.
  • Das Medikament sollte an die individuelle Opioidtoleranz angepasst werden können.

Zum Überblick verwendete Substitutionsmedikamente in Österreich.

 

Wie wird die Wahl des Substitutionsmedikaments getroffen?

Der Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Abhängigen, welches Substitutionsmedikament am besten zu seinen individuellen Bedürfnissen passt. Dabei wird die aktuelle Situation des Opioidabhängigen berücksichtigt, unter anderem der Gesundheitszustand sowie die psychische und soziale Verfassung. Wichtig bei der Wahl des Substitutionsmedikaments sind beispielsweise auch die individuellen Ziele des Abhängigen, z.B. ob der baldige Wiedereinstieg ins Berufsleben geplant ist.

 

Welche Substanzen kommen in der Substitutionstherapie zum Einsatz?

Morphin

Pharmakologie: Morphin und (Levo)Methadon sind sogenannte „volle Agonisten“ an den µ-Rezeptoren. D.h. sie aktivieren die sogenannte Opioidrezeptoren im Körper und verschieben das Gleichgewicht des Rezeptors in den aktiven Zustand.1 In der Substitutionstherapie beugen volle Opioidagonisten bei Opioidabhängigen Entzugserscheinungen, Craving („Substanzhunger“) sowie dem Gefühl „high“ zu sein vor. Somit werden bei Suchtkranken das Craving und der Zwang, Drogen zu konsumieren, unterdrückt. Körperliche Abhängigkeit bleibt bestehen.1

Geeignet für: Morphin eignet sich als voller Agonist für Patienten mit schwerer Abhängigkeit, die psychisch noch nicht ganz stabil sind und die emotionale Abschirmung durch Morphin brauchen. Auch bei Patienten, die zusätzlich depressive Anzeichen oder eine Antriebshemmung aufweisen, ist Morphin einsetzbar.

Vorteile: Gute Wirksamkeit auch bei starker und langer Abhängigkeit – Stufenlose Dosiserhöhung möglich, hohe Akzeptanz, geringes Interaktionspotential, kaum Auswirkungen bei einer eingeschränkten Leberfunktion.

Nachteile: Starkes Entzugssyndrom, Sedierung („Dämpfung“), Risiko einer Atemdepression, im Harntest nicht von Heroin unterscheidbar, – Risiko eines missbräuchlichen i.v.-Konsums, Kumulationsgefahr bei eingeschränkter Nierenfunktion.


Buprenorphin

Pharmakologie: Buprenorphin verhält sich etwas anders als volle Agonisten. Die Substanz hat eine Mittelstellung zwischen Agonisten und Antagonisten und wird daher als „Partialagonist“, d.h. teilweise Agonist, bezeichnet. Buprenorphin bindet wie ein voller Agonist an µ-Opioid-Rezeptoren, verschiebt jedoch das Gleichgewicht des Rezeptors weniger in den aktiven Zustand. In Anwesenheit von anderen Agonisten (z.B. Heroin, Morphin), wirkt ein Partialagonist als Antagonist und verhindert die Wirkung des vollen Agonisten (z.B. Heroin, Morphin).1
In der Substitutionstherapie unterdrückt Buprenorphin somit Entzugserscheinungen und verhindert die Wirkung von zusätzlich konsumierten Opioiden.

Geeignet für: Buprenorphin ist eine sehr gute Option für psychisch stabile Patienten, die eine mit dem nüchternen Zustand vergleichbare „Klarheit“ aushalten, sowie Patienten, die nicht so stark und noch nicht so lange abhängig sind (z.B. junge Patienten).

Vorteile: Lange Wirkdauer, sanfteres Entzugsprofil*, geringere Sedierung*, großzügiges Aufdosieren möglich*, geringeres Risiko einer Atemdepression*, keine ausgeprägte Euphorie, Wirkungsblockade von anderen Opioiden, gute Verträglichkeit, im Harntest von Morphin/Heroin unterscheidbar, zugelassen für Jugendliche ab 15 Jahren, Antidepressive Wirkung.2

Nachteile: Bei Neu- und Wiedereinstellung Pseudo-Entzugssyndrom durch antagonistische Wirkkomponente möglich, Missbrauchsrisiko (i.v., nasal).

* im Vergleich zu vollen μ-Opioid-Rezeptor-Agonisten


Methadon

Pharmakologie: Morphin und (Levo)Methadon sind sogenannte „volle Agonisten“ an den µ-Rezeptoren. D.h. sie aktivieren die sogenannte Opioidrezeptoren im Körper und verschieben das Gleichgewicht des Rezeptors in den aktiven Zustand.1 In der Substitutionstherapie beugen volle Opioidagonisten bei Opioidabhängigen Entzugserscheinungen, Craving („Substanzhunger“) sowie dem Gefühl „high“ zu sein vor. Somit werden bei Suchtkranken das Craving und der Zwang, Drogen zu konsumieren, unterdrückt. Körperliche Abhängigkeit bleibt bestehen.1

Geeignet für: Methadon ist bei stark abhängigen Patienten, die psychisch noch nicht stabil sind, gut wirksam. Eventueller Beikonsum kann bei Bedarf über einen Harn­test einfach und schnell untersucht werden. Bei Patienten mit gesteigertem Antrieb sind seine dämpfenden Eigen­schaften von Vorteil.

Vorteile: Längste und meiste Erfahrung in der Substitutionstherapie, gute Wirksamkeit auch bei starker und langer Abhängigkeit, stufenlose Dosiserhöhung möglich, lange Wirksamkeit, im Harntest von Morphin/Heroin unterscheidbar, geringer Schwarzmarktwert, erstmals als Arzneispezialität verfügbar.

Nachteile: Starkes Entzugssyndrom, Risiko einer Atemdepression, Kumulations- und Überdosierungsgefahr, starke Nebenwirkungen (v.a. starkes Schwitzen, Gewichtszunahme, Libidoverlust, Depressionen, kardiale Ereignisse, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit), Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln möglich, ca. 10% der Patienten sind „Rapid Metabolizer“, d.h. ihr Stoffwechsel verarbeitet Opioide (aufgrund der Gewöhnung) sehr rasch.


Levomethadon

Pharmakologie: Morphin und (Levo)Methadon sind sogenannte „volle Agonisten“ an den µ-Rezeptoren. D.h. sie aktivieren die sogenannte Opioidrezeptoren im Körper und verschieben das Gleichgewicht des Rezeptors in den aktiven Zustand.1 In der Substitutionstherapie beugen volle Opioidagonisten bei Opioidabhängigen Entzugserscheinungen, Craving („Substanzhunger“) sowie dem Gefühl „high“ zu sein vor. Somit werden bei Suchtkranken das Craving und der Zwang, Drogen zu konsumieren, unterdrückt. Körperliche Abhängigkeit bleibt bestehen.1

Geeignet für: Levomethadon eignet sich für stark abhängige Patienten, die nur mit einem μ-Agonisten behandelt werden können, die emotionale Abschirmung brauchen und eventuell Nebenwirkungen unter Methadon aufweisen.

Vorteile: Gleiche Vorteile wie Methadon, geringere kardiale Effekte als Methadon, weniger Nebenwirkungen als Methadon.

Nachteile: Starkes Entzugssyndrom, Risiko einer Atemdepression, Kumulations- und Überdosierungsgefahr, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln möglich.

1 Mutschler. Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2008.
2 Kosten et al. J Subst Abuse Treat. 1990;7(1):51-4.

top